Papier zu Celluloid: Neue Literaturverfilmungen


In den nächsten Monaten regiert das geschriebene Wort die Kinos

Wir haben Die Avengers und Batman hinter uns gebracht, Prometheus und Spiderman – und der dritte Jason Bourne ist auch bald im Kino. Nachdem die großen Effektblockbuster von 2012 also fast alle abgebrannt sind, beginnt die zweite Hälfte des Kinojahres. Und die gehört eindeutig zwei Genres: der Animation – und der Literaturverfilmung.

Dass hier und da ein Bestseller verfilmt wird, ist nichts Ungewöhnliches. Aber in den kommenden Monaten wagen sich mehr Regisseure an die ganz großen literarischen Meilensteine als in den letzten drei Jahren zusammen (und das liegt nicht nur daran, dass einer der Filme gleich drei Regisseure hat). Wir haben die wichtigsten zusammengefasst.

Life of Pi (Schiffbruch mit Tiger)
Kinostart: 26. Dezember

Gleich mit seinem zweiten Roman hat der Kanadier Yann Martel 2002 einen der wichtigsten Literaturpreise der Welt gewonnen, den Man Booker – eine überraschende Karriere für einen Roman, in dem die meiste Zeit über ein Tiger und ein Junge gemeinsam auf einem Floß treiben. Regisseur Ang Lee muss den Roman jedenfalls sehr lieben: Nicht nur muss der Dreh die Hölle gewesen sein (nochmal: ein Tiger, ein Junge, ein Floß!), der Trailer sieht auch noch absolut großartig aus: leidenschaftlich, psychedelisch, rauschhaft.

Der Hobbit
Kinostart: 13. Dezember

Knappe zehn Jahre nach dem letzten Herrn der Ringe-Film kommt endlich der erste Teil von J. R. R. Tolkiens Debut-Roman ins Kino, wider Erwarten doch von Peter Jackson, und wider Erwarten als Auftakt eines Drei- statt eines Zweiteilers. Wer (wie ich) befürchtet hat, dass die viel kleinere, intimere Geschichte des Hobbits neben dem großen Bruder auf der Leinwand nicht bestehen kann, den dürfte der Trailer beruhigen.

The Great Gatsby (Der Große Gatsby)
Kinostart: noch nicht bekannt (wird aber wohl 2013)

Baz Luhrman hat keine Angst vor großen Aufgaben: In den 90ern hat er eine todesmutige Version der berühmtesten Liebesgeschichte der Welt gedreht, und selbige damit im Handumdrehen um den Finger gewickelt. Nach fünf Jahren Funkstille wagt er sich nun an einen weiteren Säulenheiligen, schließlich ist The Great Gatsy einer der wichtigsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Der Trailer trägt ganz klar die glamouröse Handschrift von Baz Luhrman und sollte auch jene ins Kino locken, die den Großen Gatsby gelesen mit den Schultern gezuckt haben.

Great Expectations (Große Erwartungen)
Kinostart: 6. Dezember

Auch Mike Newell hat keine Angst vor großen Fußstapfen: Dickens an sich wäre schon einschüchternd genug, aber die Verfilmung von David Lean aus den 40ern ist fast so berühmt wie das Buch. Seitdem hat es zahllose Versuche gegeben, da ranzukommen – allesamt erfolglos. Aber Mike Newell meint es ernst und hat eine Menge große Namen versammelt: Das Drehbuch hat David Nicholls geschrieben, Autor des Überraschungsbestsellers Zwei an einem Tag; und die Hauptrollen übernehmen keine geringeren als Ralph Fiennes und Helena Bonham-Carter. It’s on!

Anna Karenina
Kinostart: 25. Oktober

Auch wenn Romeo und Julia der Titel für die größte Liebesgeschichte der Welt ohne jeden Zweifel zusteht, dürfte Tolstois Anna Karenina nicht weit dahinter rangieren. Regisseur Joe Wright hat Erfahrung mit großer Literatur: Zusammen mit Keira Knightley hat er sowohl Jane Austens Stolz und Vorurteil als auch Ian McEwans modernen Klassiker Abbitte verfilmt. Keine Überraschung, dass sie ihm auch im neuen Projekt als Anna zur Seite steht. Außerdem hat Wright sich Tom Stoppard ins Boot geholt, der in den 90ern den Oscar gewonnen hat, für Shakespeare in Love. Vielleicht hat er gehofft, dass der Name des Barden hilft. Der Trailer wirkt aber nicht so, als wäre Hilfe nötig.

Cloud Atlas (Wolkenatlas)
Kinostart: 15. November

Auf der Liste der unverfilmbaren Romane dürfte David Mitchell’s Wolkenatlas ganz weit vorne stehen: Nicht nur ist sein Booker-nominiertes und British Book Award-prämiertes Meisterwerk sehr, sehr lang, es umfasst auch sechs ineinander verschachtelte Episoden, die sich zwischen dem 19. Jahrhundert und derfernen Zukunft abspielen, und in denen es mal eben um die ganz großen Fragen der menschlichen Existenz geht. Kein Wunder, dass es dafür gleich drei Regisseure braucht, und zwar drei experimentierfreudige: Die Wachowski-Geschwister plus Tom Tykwer. Der Trailer hat meinen Unterkiefer herunterfallen und mich zum nächsten Buchladen rennen (rennen!) lassen, um die Buchvorlage zu besorgen.

The Perks of Being a Wallflower
Kinostart: noch nicht bekannt

Dieser Film ist ein bisschen gepfuscht, anders als die anderen Vorlagen ist Stephen Chboskys Coming-of-Age-Briefroman zwar großartig, aber eher Indie-Erfolg als literarisches Schwergewicht. The Perks of Being a Wallflower ist zwar was den Umfang betrifft wesentlich leichter umzusetzen als die anderen Bücher in dieser Liste (ca. 250 Seiten), aber den Charme der Buchvorlage einzufangen wird so leicht nicht sein. Andererseits spielt Emma Watson die enigmatische Sam, und auch der Trailer ist viel versprechend.

Les Misérables
Kinostart: 21. Februar

Tom Hoopers Les Misérables ist im ganz strengen Sinne eigentlich keine Literaturverfilmung: Hooper verfilmt nicht den Roman von Victor Hugo, sondern das erfolgreiche Musical von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg, das darauf basiert. Immerhin haben sich Boublil und Schönberg relativ eng ans Original gehalten – und außerdem bringt uns das in den Genuss, Hugh Jackman, Russell Crowe (großartig besetzt als aufrechter aber rüder Inspektor Javert) und Anne Hathaway singen zu hören. Ob die sich so richtig wohl fühlen mit den Songs, die schließlich zu den Paradenummern des Musicalfachs zählen, wird sich zeigen – Anne Hathaway zumindest schlägt sich im Trailer aber bewunderswert. Und da Cameron Mackintosh, der organisatorische Kopf hinter fast allen großen Musicals der letzten 30 Jahre, den Film produziert, muss man sich um die Production Values wohl auch keine Sorgen machen.

Mehr PopKultur:

Man Booker Prize 2011

PKS in Love: Howl’s Moving Castle

2012 – Der Animationsfilm schlägt zurück

About these ads

Schlagworte: , , , , , , , ,

Kategorien: Buch, Film

Abonnieren

Abonniere unseren RSS-Feed und die sozialen Medien-Profile, um Updates zu erhalten.

9 Kommentare - “Papier zu Celluloid: Neue Literaturverfilmungen”

  1. 25. August 2012 um 16:18 #

    Von “Die Vermessung der Welt” gibt es inzwischen auch Trailer, der sollam 25. Oktober starten.

    • 26. August 2012 um 14:34 #

      Stimmt, den hab ich vergessen! Da bin ich sehr gespannt auf den Film, der Witz stammt ja doch größtenteils aus der indirekten Rede, und die kann man nicht wirklich ins Medium Film übersetzen. Oder was meinst Du?

      • 26. August 2012 um 14:57 #

        Ich gehe davon aus, dass das ein höchstens durchschnittlicher Film wird (vor allem angesichts der Romanvorlage), und dass er in ein paar Jahren am Sonntag Nachmittag bei Sat.1 laufen wird. Ich lass ich mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen. :-)

  2. 20. August 2012 um 15:31 #

    Ich finde es großartig, dass Leo und Tobey endlich in einem Film vereint sind. Mal schauen, wie der Film der superbesten Freunde wird!

    • 20. August 2012 um 21:25 #

      Ist das tatsächlich der erste gemeinsame Film? Mir hat der Trailer jedenfalls Lust auf mehr gemacht. Und Carey Mulligan finde ich auch großartig gecastet als Daisy.

  3. 18. August 2012 um 16:38 #

    Dankeschön für die tolle Zusammenstellung. Der Trailer vom Wolkenatlas ist wow. Das Buch habe ich vor einiger Zeit von meiner Schwägerin mit den Worten “nimm es mir ab, du hast mehr Geduld beim Lesen” bekommen. Das hat selbst mir Respekt eingejagt, aber nun wird endlich gelesen.

    • 19. August 2012 um 11:07 #

      Das kann ich sehr gut nachvollziehen, ich habe nach den ersten zwei Seiten auch erstmal beschlossen, dass ich mehr Ruhe brauche und es mir für den Urlaub zur Seite gelegt. Aber ich freu mich trotzdem wahnsinnig drauf. Auch Anna Karenina will ich jetzt (schnell mal eben) vor dem Film noch lesen; das nehme ich mir sowieso seit bestimmt fünf Jahre vor. Wie gefällt Dir der Life of Pi-Trailer?

      • 19. August 2012 um 16:50 #

        Ich habe im Wolkenatlas bis Seite 17 geschökert und finde es eigentlich ganz lesbar, aber man muss – glaube ich – schon Zeit mitbringen, ein bisschen was am Stück wegzulesen. Dummerweise hat mich gerade ein anderes Buch (Drei Engel für Armand) gepackt, das ich bisher eher so meeh fand. Das wird jetzt zuerst “verarbeitet”, wenn mich dann nichts vom Sub anschreit, geht´s mit dem Wolkenatlas weiter.
        Der Trailer von Life of Pi ist ebenfalls ganz wunderbar und magisch … und überhaupt Ang Lee. :-) Das Buch kenne ich nicht, da hab ich mich immer gefragt, ob die Geschichte funktionieren kann, so als Kammerspiel auf einem Rettungsboot (oder ist es im Buch ein Floß?).

      • 20. August 2012 um 21:29 #

        Nein, stimmt, es ist glaube ich wirklich ein Rettungsboot – es ist aber auch schon bestimmt fünf Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Ich fand es damals überhyped, aber der Trailer hat mich wahnsinnig neugierig gemacht. Ich habe soeben den Wolkenatlas in meinen Koffer gepackt und bin schon sehr gespannt! Verrat mir doch wie es Dir gefallen hat wenn Du durch bist, da würd ich mich freuen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 207 Followern an

%d Bloggern gefällt das: