CD-Kritik: Lamb of God – Resolution

Eigentlich verlangt die Tradition, das Jahr mit guten Vorsätzen zu beenden oder, wie der Angelsachse sagt, der new year’s resolution.

Das neue Album der US-Metaller Lamb of God kommt dafür ein paar Wochen zu spät. Macht aber nichts, denn in dieser „Resolution“ geht es nicht darum, mit dem Rauchen aufzuhören, ein paar Pfund abzunehmen oder endlich den Roman zu schreiben. Bei Lamb of God bleibt eigentlich alles beim Alten – und das ist gut so.

Das Quintett hat seinen Sound nicht grundlegend umgekrempelt, aber immerhin weiter verfeinert. Einige der Songs auf „Resolution“ klingen fast wie eine Hommage an Meilensteine des Oldschool-Thrash, mit Anklängen an Slayers “Reign in Blood”, Testaments “Low” und vor allem Panteras “The Great Southern Trendkill”.

Diese Vorbilder waren schon immer ein Teil des Lamb of God-Sounds, aber auf „Resolution“ treten sie noch deutlicher hervor als auf den Vorgängern. Vielleicht liegt das daran, dass die Band um Schlagzeug-Virtuose Chris Adler nichts mehr zu beweisen hat. Trotz eindeutiger Wurzeln im Bay-Area Thrash haben Lamb of God spätestens mit „As the Palaces Burn“ ihren eigenen Sound kreiert. Neben Adlers ultra-präzisen Grooves ist auch Shouter Randy Blythe nur noch schwer wegzudenken. Blythe ist zwar alles andere als technisch versiert und klingt oft wie Panteras Phil Anselmo mit Kehlkopfkrebs; seine druckvollen Growls und Screams verankern aber den Sound und sorgen dafür, dass die Musik auch in melodischeren Passagen heavy klingt.

Neben Adlers Drums und den versierten, aber nie überlangen Gitarrensoli von Willie Adler (Bruder von Chris) und Mark Morton glänzen Lamb of God auf „Resolution“ vor allem mit gutem Songwriting. Die Tracks klingen mal groovig (Invictus) und mal doomig (Straight for the Sun), während der dynamische, komplexe und ungewohnt düstere letzte Song „King Me“ an Panteras „Floods“ erinnert. Auch die Single „Ghost Walking“ fügt sich gut ins Gesamtbild ein:

Wie schon das letzte Album „Wrath“ leidet „Resolution“ an übermäßiger Kompression (die Wellenform ist ein klassisches Rick Rubin-Lineal); das Ergebnis ist ein etwas zahnloser, aber trotzdem sehr hörbarer Sound – die Produktion ist transparent und zerrt nicht, wie so oft bei Opfern des Loudness War.

Vor allem kann sich „Resolution“ – anders als die letzten zwei Alben – wieder mühelos mit Lamb of Gods besten Alben „The New American Gospel“, „As the Palaces Burn“ und „Ashes of the Wake“ messen.

Die Musik von Lamb of God ist nicht jedermanns Sache, selbst unter Metal-Fans, und „Resolution“ reiht sich auch in dieser Hinsicht perfekt in den Katalog der Band ein. Der technisch versierte Old-School-Metal im modernen Klanggewand wird wohl kaum die “Hasser” bekehren, dürfte die Anhänger der Band aber durchweg begeistern. Bei denen wird sie eh schon im Regal stehen (oder auf der Festplatte schlummern); wer bisher nichts von Lamb of God gehört hat, aber Pantera oder Machine Head mag, sollte auf jeden Fall mal reinhören – alleine schon, um nicht eins der besten Metal-Alben der letzten Jahre zu verpassen.

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Kategorien: Musik, Rezensionen

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