CD-Kritik: Testament – Dark Roots of Earth

Die Thrash-Pioniere kehren zurück zu ihren “dunklen Wurzeln”

Der Begriff „Oldschool“ wird in Bezug auf Metal so gerne und oft herangezogen, dass er fast zum Klischee geworden ist. Trotzdem: Die Bay-Area Urgesteine Testament sind der Inbegriff des Oldschool-Metal, ob sie melodischen Thrash spielen oder, wie auf dem 1999er Album „The Gathering“ schon fast nach Death Metal klingen. Nach einigen Jahren krativer Pause – unter anderem bedingt durch die schwere Krebs-Erkrankung von Sänger Chuck Billy – haben sich Testament mit 4/5 des „klassischen“ Lineup (minus Schlagzeuger Louis Clemente) vor drei Jahren mit „The Formation of Damnation“ in alter Form – und altem Sound – zurückgemeldet.

Auch das aktuelle Album „Dark Roots of Earth“ weicht nicht sehr weit von Testaments Trademark-Sound ab, sondern verbindet den melodischen Thrash der frühen 80er mit der brutalen Produktion des unterschätzten Albums „Low“. Der Sound ist für Metal-Verhältnisse klar und transparent, auch wenn beim Mastering mal wieder die Lautstärkeregler an den oberen Rand gerutscht sind – draußen tobt schließlich der Loudness War, und Testament wollen ihn nicht verlieren.

Obwohl das Set mit nur neun Songs enorm dicht ist, hat „Dark Roots“ eine Reihe von Tracks, die sich aus dem Album hervorheben. Der brachiale Opener „Rise Up“ scheint schon mit dem Konzertpublikum im Hinterkopf geschrieben zu sein (When I say „rise up“, you say „war“. Rise up. War. Rise up. Waaaaaar!) während der Titelsong für Testament-Verhältnisse ungewohnt episch klingt. Ein weiteres Highlight ist die Untoten-Halbballade (oder doch eher Viertelballade?) „Cold Embrace“, die an den elegischen Sound von Testament-Klassikern wie „Trail of Tears“ und „Return to Serenity“ anknüpft.

Trotz eines platteninternen Déjà-vus – in einem Song singt Chuck Billy “some choose to celebrate, some choose to hate” in einem anderen „some people turn their cheek, while others hate” (vielleicht ja ein heimliches Kozeptalbum über das Thema Hass?) ist „Dark Roots of Earth“ eins der abwechslungsreichsten Alben der Bandgeschichte und spannt einen weiten Bogen von den Uptempo-Krachern „Rise up“ und „Native Blood“ über das extrem groovende (oben zitierte) „True American Hate“ bis zu den fast proggigen Songstrukturen von „Throne of Thorns“ und „Dark Roots of Earth“.

Noch mehr als auf dem letzten Album wertet Gitarrist Alex Skolnik die Tracks enorm auf: Mit seinen geschmackvollen melodischen Leads, die zwar versiert, aber selten zu lang oder zu technisch klingen. Überhaupt ist die ganze Band in Höchstform, ohne Schwachstelle.

Die letzten Jahre sind eine gute Zeit für den Metal. Während der aktuelle Sound des Genres stark von jüngeren Bands wie Lamb of God oder Gojira geprägt wird, kann man die Größen der letzten und auch vorletzten Generation noch lange nicht abschreiben. Metallica und Iron Maiden füllen nach wie vor Stadien, Anthrax haben letztes Jahr eins der besten Alben ihrer Karriere veröffentlicht, und Testament beweisen mit „Dark Roots of Earth“ wieder einmal, dass sie nach knapp 30 Jahren kein Nostalgie-Act, sondern immer noch relevant sind und sowohl spielerisch als auch in punkto Songwriting im Zenith ihrer Karriere stehen.

 

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Kategorien: Musik, Rezensionen

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