TV-Kritik: Game of Thrones – Valar Morghulis (Staffel 2, Folge 10)

Das Finale der monumentalen zweiten Staffel mischt die Karten neu

PopKulturSchock bespricht die zweite Staffel von Game of Thrones, die in den USA auf HBO läuft (und bei uns seit dem 23. Mai auf Sky Atlantic HD) – möglicherweise mit kleinen Spoilern für die aktuelle Episode, definitiv mit riesigen Spoilern für frühere Episoden und dafür komplett frei von Spoilern für kommende Episoden. Ich selbst habe bisher keinen Band von George R.R. Martins “Song of Ice and Fire” gelesen, gehe also quasi jungfräulich an die Serie heran.

„Valar Morghulis“ ist eine Art Rohrschach-Test: Entweder ist die Folge eine perfekte Auflösung aller Handlungsstränge der zweiten Staffel, die gleichzeitig eine Reihe neuer Schauplätze aufmacht und so gekonnt das dritte Jahr einleitet. Oder aber der fehlgeleitete Versuch, so viel Handlung wie möglich in eine Stunde Game of Thrones quetschen zu wollen, um noch schnell alle Figuren dahin zu bekommen, wo sie für die nächte Staffel sein müssen.

Auch wenn für mich ein paar Aspekte der Folge frustrierend waren und einiges zu schnell abgehandelt war – den Daenerys-Showdown im „House of the Undying“ hätten Benioff und Weiss gerne auf zwei oder drei Folgen strecken können – gibt es viele große Momente in den 65 Minuten, die so rasant erzählt sind, dass man keine Zeit hat zwischendurch Luft zu holen. Und die letzte Einstellung beseitigt endgültig alle Zweifel, dass das Finale großes Fernsehen ist.

Während “Blackwater” letzte Woche eine einzige, lange Belagerungsszene war, ein Film ohne letzten Akt, liefert die neue Folge nun das ausführliche Ende nach. In den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl, dass die von Weiss und Benioff geschriebenen Folgen (also fast alle diese Staffel) einerseits vielschichtiger erzählt waren als in der ersten Staffel, aber hin und wieder Probleme mit dem Erzähltempo hatten. Außerdem waren die Geschichten von Daenerys Targaryen und Jon Snow immer ein bisschen außen vor; zwar oft geschickt thematisch verknüpft, aber ohne direkte Konsequenz für die eigentliche Handlung – die Schlacht um den eisernen Thron.

Das Tempo haben Weiss und Benioff zwar kräftig angezogen, aber einige der Probleme bestehen nach wie vor: Daenerys, die ihre drei Baby-Drachen befreit, ist nicht gerade ein Game-Changer; und Jon Snows Abenteuer im Norden enden zwar wieder mit einem quasi-Cliffhanger, sind aber mindestens zwei Kevin Bacons vom Hauptgeschehen entfernt.

Erstaunlich ist, dass „Valar Morghulis“ bei allem Feuerwerk noch Zeit für ein paar persönliche – und oft bewegende – Szenen hat: Daenerys, die sich zum zweiten Mal von Khal Drogo verabschieden muss, Aryas Abschied von Jaqen und eine intime Szene zwischen Tyrion und Shae.

Als Staffelfinale ist „Valar Morghulis“ eine kompetente Brücke zwischen der zweiten und der dritten Staffel; als Bestandsaufnahme zeigt sie außerdem, wie weit sich die Figuren in zwei Jahren entwickelt haben. Zehn Stunden sind sehr wenig Zeit um eine so vielschichtige Geschichte zu erzählen. Dass der gewaltige Bogen, den Benioff, Weiss und Martin in dieser Staffel geschlagen haben, tatsächlich einen angemessenen Abschluss findet, ist also keine geringe Leistung.

Die zweite Staffel war gelegentlich holpriger als die erste; das lag aber nicht zuletzt an den gewaltig gesteigerten Ambitionen, und der größeren Bereitschaft der Autoren, mit Erzählstrukturen zu experimentieren und von der Buchvorlage abzuweichen. Auch wenn Staffel 1 von Game of Thrones neue Maßstäbe gesetzt hat, war Staffel 2 größer, vielschichtiger und im Rückblick – zumindest meiner Meinung nach – noch besser.

Episode:

Staffel:

Anmerkungen:

  • Woche für Woche ein unerwartetes Highlight: Der deutsche TV-Schauspieler Tom Wlaschiha als Jaqen
  • Hat der Schrei des White Walkers noch jemand hieran erinnert?
  • Ein paar Alternativen für die lange Zeit zwischen den Staffel haben wir hier gesammelt. Hat jemand noch mehr?
  • Es ist vollbracht: Wir nehmen das Ende der Staffel (aber nicht nur das) zum Anlass und machen zwei Wochen Pause.

Was bisher geschah:

2.01 The North Remembers

2.02 The Night Lands

2.03 What Is Dead May Never Die

2.04 Garden of Bones

2.05 The Ghost of Harrenhal

2.06 The Old Gods and the New

2.07 A Man without Honor

2.08 The Prince of Winterfell

2.09 Blackwater

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Kategorien: Buch, Fernsehen, Rezensionen

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