TV-Kritik: Game of Thrones – Blackwater (Staffel 2, Folge 9)


 Armeen – und Handlungsfäden – kollidieren in der Schlacht um King’s Landing

PopKulturSchock bespricht die zweite Staffel von Game of Thrones, die in den USA auf HBO läuft (und bei uns seit dem 23. Mai auf Sky Atlantic HD) – möglicherweise mit kleinen Spoilern für die aktuelle Episode, definitiv mit riesigen Spoilern für frühere Episoden und dafür komplett frei von Spoilern für kommende Episoden. Ich selbst habe bisher keinen Band von George R.R. Martins “Song of Ice and Fire” gelesen, gehe also quasi jungfräulich an die Serie heran.

Wie schon letztes Jahr ist es die neunte Folge, in der die Fäden zusammenlaufen und viele der Subplots, die George R. R. Martin, D.B.Weiss und David Benioff  im Laufe der Staffel vorbereitet haben, endlich kollidieren. Jon Snow und Daenerys Targaryen, die in letzter Zeit eher stiefmütterlich behandelt worden sind, sind außen vor, genau wie Robb Stark und Theon Greyjoy. Letztes Jahr hat Game of Thrones geschickt epische Schlachtszenen vermieden,  indem Tyrion, aus dessen Sicht erzählt wurde, sie bewusstlos auf dem Schlachtfeld verbracht hat.

Aber sowohl Tyrion als auch Game of Thrones drücken sich kein zweites Mal: „Blackwater“ konzentriert sich von Anfang bis Ende auf den Kampf um Kings Landing und um den eisernen Thron.

Die bloße Erwähnung des Wortes „Blackwater“ – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen privaten Militärunternehmen– lässt bei Fans von Martins Romanvorlage wie eine Pavlovsche Glocke das Wasser im Mund zusammenlaufen. Es schadet auch nicht dass der Meister selbst das Drehbuch geschrieben hat. Außerdem steht niemand geringeres als Neil Marshall hinter der Kamera, der mit The Descent einen der besten Horrorfilme der letzten Zeit gedreht hat. Bei seinem Mad Max/Escape from New York-Mischmasch Doomsday und dem unterschätzten Centurion hat Marshall Erfahrung mit komplexen Actionszenen gesammelt, und diese Erfahrung zahlt sich bei „Blackwater“ aus.

Wie eine Fantasy-Hommage an Spielbergs Saving Private Ryan beginnt die Episode auf Stannis‘ Booten mit dessen nervösen – und sich übergebenden – Landungstruppen. Der Rest der Folge muss allerdings eher mit den Belagerungsszenen von Peter Jacksons Die Zwei Türme konkurrieren (mit einer Prise der klaustrophobischen Verzweiflung in Hirschbiegels Untergang), und wenn man bedenkt, dass Neil Marshall mit einem Bruchteil des Budgets und der Planungszeit auskommen musste, ist das Ergebnis beeindruckend. Das Script von George R.R. Martin lässt zwischen den Schlachtszenen keine Gelegenheit aus, Charakteren große Momente zu geben. Vor allem die Beziehung zwischen Bronn und Joffreys Bodyguard „The Hound“, die bisher keine große Rolle gespielt hat, bekommt innerhalb der Folge ihren eigenen kleinen Handlungsbogen.

Während viele Episoden der zweiten Staffel nur die verschiedenen Plots vorangetrieben haben, funktioniert „Blackwater“ beinahe wie ein in sich abgeschlossener Film; wenn auch einer, bei dem die ersten und letzten zwanzig Minuten fehlen. Als Exposition dient (neben einem etwas hölzernen Dialog zwischen Davos und seinem Sohn) die Zusammenfassung der vorherigen Folgen; außerdem endet „Blackwater“ überraschend abrupt – selbst für Game of Thrones-Verhältnisse.

Ähnlich wie im letzten Jahr „Baelor“ (die Folge, in der Ned Stark seinen Kopf verliert) ist „Blackwater“ der bombastische Höhepunkt der Staffel, der Showdown auf den die letzten 8 Folgen hingearbeitet haben. Die Erwartungen waren riesig, aber Marshall und Martin vollbringen das kleine Wunder, sie größtenteils zu erfüllen. Und so gespannt ich jetzt auf die letzte Episode bin, man braucht sich wohl kaum Illusionen zu machen, dass auch nur ein Bruchteil der in der Schwebe hängenden Handlungsfäden noch dieses Jahr aufgelöst wird.

Das wird eine lange Wartezeit. Der Winter naht? Noch lange nicht…

Anmerkungen:

  • Interessante Gegenpole: Stannis, der selbst Teil der ersten Angriffswelle ist und Joffrey, der hinter den Mauern kauert und so viel jammert, dass schließlich sogar der Hound genug hat: „Fuck the king“
  • Tyrion als macht sich gut als Motiavationsredner: Those are brave men knocking at our door. Let’s go kill them!
  • Der Hound legt in seiner Rede weniger Finesse an den Tag: “If you die with a clean sword, I’ll rape your corpse.” Tschaka!
  • Ich war zugegeben überrascht wie gering – trotz der riesigen Materialschlacht – der Bodycount unter den größeren Charakteren war
  • Wildfeuer ist jetzt schon mal vorgemerkt für das nächste Silvesterfeuerwerk!

 

Nächstes Mal:

2.10 Valar Morghulis

Was bisher geschah:

2.01 The North Remembers

2.02 The Night Lands

2.03 What Is Dead May Never Die

2.04 Garden of Bones

2.05 The Ghost of Harrenhal

2.06 The Old Gods and the New

2.07 A Man without Honor

2.08 The Prince of Winterfell

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Kategorien: Fernsehen, Rezensionen

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2 Kommentare - “TV-Kritik: Game of Thrones – Blackwater (Staffel 2, Folge 9)”

  1. 11. Juni 2012 at 12:10 #

    Hm, klar, die Serie muss die Schlacht um Kings Landing in eine Folge pressen und das Budget ist nicht so hoch wie bei einem Kinfofilm – im Vergleich zum Buch sind die Gefechte rein taktisch aber mehr als knapp gehalten: Flotte durch einen Brandpfeil gesprengt, Rammbock zerstört, Tywin Lannister gewinnt die Schlacht. Ende. Das Hin und Her und die Langatmigkeit der Schlacht und auch die Vehemenz des Wildfire kommen auf dem Bildschirm lange nicht so gut rüber wie im (wie immer bei Martin fast schon zu detailreichen) Roman.

    • 11. Juni 2012 at 12:57 #

      Das hab ich mir gedacht, dass es im Buch alles etwas größer ist. Aber für das Budget und Format war es schon beeindruckend, was Martin und Marshall aus der Folge rausgeholt haben.

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