CD-Kritik: Jethro Tull’s Ian Anderson – Thick As A Brick 2

Kaviar für die Augen: Das Cover zu TAAB2

“Too old to Rock ‘n’ Roll”? Vier Jahrzehnte nach der Veröffentlichung von Jethro Tulls Folk-Prog-Meilenstein Thick As A Brick hat Sänger und Flötist Ian Anderson eine Fortsetzung aufgenommen. Die Figur Gerald Bostock, um die sich das Konzeptalbum von 1972 gedreht hat, wäre inzwischen 50 Jahre alt. Allerdings gibt es bei Thick As A Brick 2 nicht einen, sondern gleich fünf Gerald Bostocks. Anderson spekuliert, wie sein Leben hätte verlaufen können – mal endet er als Obdachloser, mal als Soldat, mal als Banker – und macht „was wäre wenn“ zum Thema des Albums.

Dabei wollte Anderson ein Album im selben Geist wie das Original schaffen, inklusive ähnlicher Instrumentierung. TAAB2 ist zwar ein Anderson Solo-Projekt (vor allem Tull-Gitarrist Martin Barre wird schmerzlich vermisst), aber dank des vorhergeschickten „Jethro Tull’s“ auf dem Cover kann man das Album (ohne zu mogeln!) direkt neben den Tull-Klassiker ins alphabetisierte Regal stellen.

Das Cover… ist ein rosa-grün-grauer Photoshop-Alptraum, der große Lust macht, die CD ungeöffnet zurückzuschicken. Das „Design“ sieht nach einem fehlgeleiteten Versuch aus, den Look einer Website von ca. 1996 einzufangen.

Der schlimmste Moment… ist der erste Anblick der Hülle. Die Geschmacklosigkeit ist leider nicht auf das Cover begrenzt: Die Booklet-Seiten im lachsfarbenden Ziegelsteinmuster der amateurhafte schwarzweiße CD-Aufdruck geben sich redlich Mühe, mitzuhalten. Wer sich die Special Edition gönnt – und angesichts der transparenten und druckvollen 5.1-Version (wie auch die CD gekonnt abgemischt von Steven Wilson) sollte man das – der kann sich außerdem auf DVD-Menüs im bewährt-scheußlichen „Lachsziegel“-Look freuen.

Der beste Moment… ist die Erleichterung, dass der Inhalt nicht der Verpackung entspricht. TaaB2 ist kein uninspirierter Cash-in und vor allem kein Zeugnis eines künstlerischen Burnouts a la Operation Mindcrime 2 oder Bat Out Of Hell 3. Ian Anderson kann noch immer singen, klingt unverwechselbar nach Tull (auch wenn seine Stimme über die Jahre etwas tiefer geworden ist und ein wenig an Kraft verloren hat), schreibt zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder spannende Musik und nimmt sich dabei erfreulich wenig ernst.  

Sollte man hören… wenn man Jethro Tull mag oder auch einfach das Konzept „folkig und proggig angehauchter Rock“ ansprechend findet (wobei ich dann als Einstieg erst mal Aqualung empfehlen würde). Das zugegeben clevere Konzept überschattet manchmal die Musik, aber auch wenn man gesprochene Passagen, angedeutete Songschnipsel und Themenwiederholungen weglässt, bleibt noch eine Schallplattenlänge guter Musik. Statt einfach nur auf Nostalgie zu setzen und sich auf den (wohlverdienten) Lorbeeren auszuruhen, hat Ian Anderson eine frisch klingende Fortsetzung eines Klassikers veröffentlicht, die sich vielleicht nicht mit dem ersten Thick As A Brick messen kann, sich aber nicht hinter dem Rest des Jethro Tull-Katalogs verstecken muss. Unbedingte Anspieltipps: „Banker Bets, Banker Wins“, „Adrift & Dumbfounded“ und „A Change of Horses“.

Wer wie ich gerne beim Musikhören das Booklet durchblättert, dem würde ich raten, in diesem Fall mal mit der Gewohnheit zu brechen.

Album:

( Cover: )

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Kategorien: Musik, Rezensionen

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One Comment - “CD-Kritik: Jethro Tull’s Ian Anderson – Thick As A Brick 2”

  1. 9. Juli 2013 at 01:20 #

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