TV-Kritik: The Walking Dead – Nebraska (Staffel 2, Folge 8)

PopKulturSchock bespricht die zweite Staffel von The Walking Dead - mehr oder weniger frei von Spoilern für die aktuelle Episode, möglicherweise aber mit Details zu früheren Folgen. You have been warned.

Während ich in der Sendepause angefangen habe, die Comic-Serie zu lesen (Die Besprechungen werde ich nach und nach weiter hier posten) habe ich die TV-Version erstaunlich wenig vermisst. Auch wenn die letzte Folge sehr viel wieder gutgemacht hat, war die zweite Staffel bisher – vorsichtig formuliert – durchwachsen. Aber ob man will oder nicht, jetzt ist sie wieder da, und Produzent (und Comic-Autor) Robert Kirkman hat Besserung gelobt. Angeblich nimmt er die Beschwerden der Fans ernst  und hat sowohl das Tempo als auch die dramaturgischen Schrauben in der zweiten Hälfte der Staffel kräftig angezogen.

Hinter den Kulissen ist viel passiert (unter anderem wurde die ambitionierte Idee des gefeuerten Ex-Showrunners Frank Darabont für den Anfang der zweiten Staffel bekannt), aber für die Charaktere auf Hershels Farm sind nur Sekunden vergangen. Rick Grimes hält noch immer die rauchende Waffe in der Hand, mit der er gerade Zombie-Sophia in den Kopf geschossen hat, nachdem Shane die gesammelte untote Verwandschaft von Gastgeber Hershel durchsiebt hat. Und der erste Akt von „Nebraska“ dreht sich größtenteils darum, wie sich langsam der Staub legt.

Tot oder Lebendig“ war ein Gamechanger für The Walking Dead; der bisherige Haupt-Antrieb der (oft antriebslosen) zweiten Staffel, die Suche nach Sophia, ist mit einem Schlag zuende. Daryl, der vollkommen in der Suche nach Sophia aufgegangen war und gleichzeitig in Carol eine Art Mutterfigur gefunden hat, steht plötzlich ohne Zweck da. Rick versucht zwar nach wie vor es allen Recht zu machen, kann aber, wenn die Situation es verlangt, handeln. Und Shane, der immer der proaktive Anti-Rick war, hat plötzlich keine Funktion mehr in der Gruppe – und scheint es zu wissen.

Badass: Rick Grimes 2.0

Insgesamt ist das Tempo der Folge etwas uneben; der erste Akt ist eine Art Anhang zur letzten Folge, der zweite tapst ziellos vor sich hin und gerade wenn man sich mit einer weiteren mäßigen Episode abgefunden hat, überrascht das letzte Drittel mit einem Cliffhanger und einem ausgedehnten, spannenden Showdown. Während der unmotivierte Cliffhanger ungeschickt vorbereitet und tapsig inszeniert ist, ist die Szene in der Bar nicht nur der Höhepunkt von „Nebraska“, sondern eine der besten Szenen der bisherigen Serie.

Außerdem ist „Nabraska“ frei von den gelegentlich peinlichen Dialogen und unmotiviert herumstehenden Charakteren, die die zweite Staffel bisher geplagt haben. Während „Tot oder Lebendig“ sich noch angefühlt hat wie ein einsamer Höhepunkt einer enttäuschenden Serie, hatte ich diesmal fast das Gefühl, eine durchwachsene Folge einer guten Serie zu sehen.

The Walking Dead ist immer noch weit davon entfernt, das Potential wirklich auszuschöpfen. Das fällt nicht nur im direkten Vergleich mit der überlegenen Comicserie auf, sondern auch mit überlegenen Serien wie Breaking Bad oder Justified, in denen jeder der Charaktere so interessant ist, dass man ihm (oder ihr) auch gerne eine halbe Stunde beim Bügeln zugucken würde.  Aber immerhin scheint die Darabont-freie Serie endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Enttäusch mich nicht wieder, The Walking Dead. Das nächste Mal nehme ich es persönlich!

Anmerkungen:

  • Hat noch jemand befürchtet, dass Rick über einen Hubbel fährt und sich Glenn ins Gesicht schießt?
  • Mir hat der Arm gefallen, der vom Truck fällt. Komplett irrelevant für die Handlung, aber witzig und makaber
  • Noch ein Grund, warum der Showdown so gut war: Michael Raymond-James aus der grandiosen, kurzlebigen Serie Terriers

 

Was bisher geschah:

3.01 Zukunft im Rückspiegel / What Lies Ahead 

3.02 Blutsbande / Bloodletting

3.03 Die letzte Kugel / Save The Last One

3.04 (Die) Cherokee Rose

3.05 Chupacabra

3.06 Beichten / Secrets

3.07 Tot oder Lebendig / Pretty Much Dead Already

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Kategorien: Fernsehen, Rezensionen

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4 Kommentare - “TV-Kritik: The Walking Dead – Nebraska (Staffel 2, Folge 8)”

  1. funky
    19. Februar 2012 um 20:44 #

    nun da es weitergeht schau ich auch mal wieder regelmässiger hier rein :)

    also in den ersten 5 minuten hat mich die folge direkt mal wieder genervt…die ganzen charakternasen nach der langen pause nun so plötzlich wiederzusehen, die frauen weinen immer noch rum, shane führt sich auf, rick eiert rum, hershal will alle vom hof jagen, und dale guckt wieder moralisierend mit grossen augen in die weltgeschichte. also alles wie gehabt :D

    nach ein wenig eingewöhung fand ich die folge dann aber doch noch gelungen. die barszene hat es dann rausgerissen.
    mal sehen ob die änderungen hinter den kulissen etwas bewirken und die serie noch etwas an fahrt aufnehmen kann. zu wünschen wäre es definitiv und ich kann der aussage ” die serie verschenkt ihr potential” nur beipflichten!

    • chris-dmf
      20. Februar 2012 um 14:17 #

      In der Bar hat Rick aufgehört rumzueiern ;)
      Und Lori sollte kein Auto mehr fahren ^^

      Mir ist am Anfang sofort aufgefallen das Sophia nun völlig Falsch daliegt. Ist sie nach dem Schuss aus nächster Nähe schon “falsch” umgefallen (nach rechts anstatt nach hinten) liegt sie nun nach vorne da. Is unwichtig, i know ;)

      • 20. Februar 2012 um 18:48 #

        Du kannst doch nicht von den Machern erwarten, dass sie sich die langweiligen alten Folgen ihrer eigenen Serie ansehen ;)

    • 20. Februar 2012 um 18:46 #

      Immer dasselbe mit The Walking Dead… Die Serie bleibt zwar weit hinter ihrem Potential zurück, aber immer wenn man sich gerade durchgerungen hat, sie zu hassen, kommt plötzlich eine großartige Szene, die vieles wieder rausreißt…

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