TV-Kritik: The Walking Dead – Tot oder Lebendig / Pretty Much Dead Already (Staffel 2, Folge 7)

PopKulturSchock bespricht die zweite Staffel von The Walking Dead – mehr oder weniger frei von Spoilern für die aktuelle Episode, möglicherweise aber mit Details zu früheren Folgen. You have been warned.

Nachdem The Walking Dead in den letzten Wochen zunehmend weniger Spaß gemacht hat, vollbringt  “Pretty Much Dead Already”, die letzte Folge vor der Winterpause, ein kleines Wunder: Nicht nur sind die Figuren zum ersten Mal seit langem wieder interessant, der Payoff ist so geschickt eingefädelt, dass sogar die letzten Paar Folgen im Rückblick auf einmal besser aussehen. Die Handlung steuert diesmal zielstrebig auf ein Ende zu, das ein dramaturgisch konsequenter, perfekt vorbereiteter und zielsicherer Schlag in die Magengrube ist.

Die Folge bringt endlich wieder die Gruppe zusammen, greift geschickt die verschiedenen Handlungsfäden auf und etabliert mit Blicken und ein paar kurzen Worten effizient, wo jede der Figuren steht – bevor Glenn seine Bombe platzen lässt und eine geschickt konstruierte Lawine lostritt.

Nach wie vor funktionieren nicht alle Szenen gleichermaßen gut; Glenns große Rede ist alles andere als Pulitzer-verdächtig und Dale hat nach wie vor eigentlich keinen Grund dafür, Shane die Schuld an Otis’ Tod zu geben. Aber auch wenn die Folge nicht ganz ohne Fehltritte ist, hat diesmal jede der vielen Auseinandersetzungen einen Zweck. Dale hat keinen rationalen Grund, auf einmal die Waffen verstecken zu wollen, treibt damit aber immerhin den Plot voran.

Die geschickt platzierten Puzzleteile – Shanes Arsenal, Ricks oft diskutierter Mangel an Führungsqualitäten und die Weigerung von „Gastgeber“ Hershel, seine zombifizierten Angehörigen gehen zu lassen, führen zum unvermeidbaren Showdown vor der Scheune.

Gleichzeitig wirft „Pretty Much Dead Already“ aber die Frage auf, warum die zweite Staffel nicht durchgehend dieses Niveau erreichen konnte. Es ist zwar einerseits beeindruckend, wie viele Szenen aus den letzten paar Folgen rückblickend einen Zweck hatten, aber wäre es nicht auch weniger langweilig gegangen? Klar ist es wichtig, den großen Story-Ark nicht aus den Augen zu verlieren, aber sollte man dafür wirklich die Dramaturgie der einzelnen Folgen opfern?

Hinzu kommt, dass die Autoren auch einfach zu zimperlich mit ihren Figuren umgehen. Wenn man schon in einer postapokalyptischen Zombie-Welt lebt, muss auch ab und zu mal jemand aus der Gruppe sterben – alleine schon um die Zuschauer daran zu erinnern, was auf dem Spiel steht. Als Glenn vor ein paar Wochen in den Brunnen runtergelassen wurde, hatte man keine Sekunde Angst um sein Leben. Es gab keine Zweifel, dass Shane mit den Medikamenten zurückkehrt, oder dass Carl seine Schusswunde überlebt.

Während „Pretty Much Dead Already“ also alles richtig macht, bleibt die erste Hälfte der Staffel als ganzes betrachtet eine durchwachsene Angelegenheit. Durch den Verzicht auf Monster-of-the-Week-Folgen, die in sich abgeschlossene Geschichten erzählen, stützt sich TWD komplett auf das übergreifende Narrativ. Das ist allerdings mehr als holprig und hätte sich ohne Probleme in drei bis vier Folgen erzählen lassen. Vielleicht waren die Autoren ja selber überrascht, als der Sender plötzlich 13 statt 6 Folgen bestellt hat.

Anders als beim enttäuschenden Finale der ersten Staffel ist ihnen dieses Mal immerhin ein (Zwischen-)Schluss geglückt, der die Wartzeit bis Februar sehr lang erscheinen lässt. Wer hätte das gedacht?

Anmerkungen:

  • Um Entzugserscheinungen entgegenzuwirken, werde ich in der Staffelpause die Comicserie The Walking Dead besprechen; nächsten Montag fange ich mit der ersten Ausgabe an. Bisher habe ich noch nicht reingeguckt, bin also sehr gespannt, ob die Handlung analog zur Serie verläuft – und wie die Graphic Novels im Vergleich zur TV-Version abschneiden.
  • Genre-TV-Kenner aufgehorcht: Während The Walking Dead Pause macht, wird Desirée außerdem die aktuell in Deutschland laufende fünfte Staffel des “Doctors” besprechen. Doctor Who? Richtig!
  • Maggies schockierende Vergangenheit: „All I wanted to do was smoke and shoplift“
  • Wenn ich mich nicht irre, war „Pretty Much Dead Already“ die letzte Folge, an der Frank Darabont beteiligt war. Ist das jetzt gut oder schlecht?
  • Sergio Leone meets Sam Peckinpah – wie unglaublich gut war die Szene vor der Scheune? Wow!

 

Was bisher geschah:

3.01 Zukunft im Rückspiegel / What Lies Ahead 

3.02 Blutsbande / Bloodletting

3.03 Die letzte Kugel / Save The Last One

3.04 (Die) Cherokee Rose

3.05 Chupacabra

3.06 Beichten / Secrets

Mehr PopKulturSchock:

The Walking Dead - Gute alte Zeit (Heft 1-3)

Roman: Der Krake

Film: Jane Eyre

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Kategorien: Fernsehen, Rezensionen

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21 Kommentare - “TV-Kritik: The Walking Dead – Tot oder Lebendig / Pretty Much Dead Already (Staffel 2, Folge 7)”

  1. Cony
    5. Dezember 2011 at 05:15 #

    So, ein paar Tage zu spät, aber besser spät als nie :D

    Schließe mich der Kritik mal wieder an! Die Folge hat das Potenzial der Serie kurz aufflimmern lassen! Sehr Gut! Wenn die zweite Hälfte der Staffel genauso an Fahrt gewinnt wie es erahnen lässt, dann vergess ich den Schmerz der letzten paar Folgen!

    Endlich mal wieder Sinn und dramatische Action, zumindest ansatzweise, so kanns weitergehen :)

    Ab auf den Highway, zurück in die City oder ins Fort und los gehts! Ich freu mich!

    • 5. Dezember 2011 at 16:17 #

      Meinst du? Ich hab den Verdacht, dass die Serie mit Hershels Farm noch lange nicht fertig ist. Wir werden sehen…

  2. Alexander M
    5. Dezember 2011 at 00:11 #

    So ganz teile ich deine Meinung nicht :) Würde jede Folge vollgepackt mit Action sein, würde der Zuschauer sich an diese Action zu sehr gewöhnen und eine weitere Steigerung wünschen… dann hätten wir bald Zombies, die mit UFOs durch die Gegend düsen… ich hoffe ihr versteht, was ich meine :)
    So bleibt einfach mehr Zeit, die gesamte Kulisse und die Charakter dem Zuschauer vertrauter zu machen. Das ganze wird viel plastischer und realer. Du hast richtig erkannt, wie sich alles auf Folge 7 hinausgebaut hat. Und dass Plötzliches und Unerwartetes Geschehen kann zeigte, wie ich meine, der Schuss auf Carl.
    Kenner der Comics, wissen genau, was noch alles passieren kann und wieviel potenzial die TV-Adaption hat. Wäre zu Schade, die gesamte (aktuelle) Comicreihe in wenigen Staffeln zu erzählen.
    Also ich hoffe, dass der Serienstil beibehalten bleibt und weiterhin, die Macher die Serie so schön ausmalen und die Geschichte interessant und gelungen vom Comic abweichen lassen.
    Kai, lese dir die Comics durch, glaube dann weißt du was ich meine :) Aber, wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung :) Deine TV-Kritik ist ansonsten 1A! Weiter so! Bin gespannt, wie deine Meinungen zum Comic sind.
    Gruß Alexander

    • 5. Dezember 2011 at 16:16 #

      @Alexander:

      Ich weiß was du meinst. Ich bin auch mit dem was die Serie 7 Folgen lang aufgebaut hat ganz glücklich. Mich stört aber WIE sie es aufgebaut haben. Die Charaktere waren für meine Begriffe nicht konsistent geschrieben und ganz oft hatte ich das Gefühl, die Schauspieler sind nur in jeder Folge, weil es in ihrem Vertrag steht, haben aber eigentlich nichts zu tun. Ich hab das Gefühl, die Autoren – einschließlich Kirkman – wissen ganz oft nicht, was sie mit dem übergroßen Ensemble anfangen sollen.

      Wenn es dann allerdings klickt, und das tut es in dieser Folge von der ersten Szene an, dann macht die Serie wirklich Spaß.

      Die erste Rezension zum Comic ist übrigens in Arbeit, geht also möglicherweise noch heute online. Ich hab den ganzen Packen hier liegen (Band 1-13) aber ich versuche mich zu beherrschen und nicht allzuviel vorwegzulesen. :)

      • Alexander M
        6. Dezember 2011 at 14:53 #

        @Kai:
        hmm… Ja, das kann wohl daran liegen, dass es einfach sehr viele Charakter gibt, um in jeder Folge dem Charakter etwas “sinnvolles zu tun” zu geben. Andererseits, lernt man dennoch jeden Charakter langsam aber sicher näher kennen :) Und es werden garantiert Folgen kommen, die dann auf bestimmte Charakter ausgelegt sind, bei denen andere wieder in den Hintergrund rücken. Ich weiß nicht ob du LOST gesehen hast? Hier hatte man auch sehr viele Charakter, die im Laufe der Serie einem echt ans Herz gewachsen sind.
        Wenn sich aber die The Walking Dead weiterhin an die Comics orientiert, dann wird der eine odere andere Charakter früher oder später verschwinden :), aber auch der eine oder andere Charakter dazu kommen. Mehr will ich auch nicht verraten!

      • 6. Dezember 2011 at 15:29 #

        Lost ist für mich aber das Vorzeigebeispiel dafür, wie man ein großes Ensemble richtig einsetzt. Wenn jemand in einer Folge dramaturgisch keine Aufgabe hat, kommt er einfach nicht vor (oder läuft einfach nur durch den Hintergrund). Manche Folgen konzentrieren sich ja auch nur auf zwei oder drei Personen.

        Bei TWD hab ich dagegen eher das Gefühl, es muss immer jeder beschäftigt werden, und alle bekommen ihre Szene – ob sie was zu sagen haben oder nicht. Die Serie bräuchte einfach ein paar bessere Autoren, dann könnte sie RICHTIG gut sein.

      • Alexander M
        6. Dezember 2011 at 18:10 #

        Aaah :) nun verstehe ich genau, was du meinst und ich gebe dir Recht! :)

    • ChrisNM
      5. Dezember 2011 at 16:48 #

      Yep, die Folge zündete ja auch deswegen so heftig weil die Episoden vorher eher Verhalten daher kamen. Ausser dem wirklichen Gag am Ende war es ja nur ein einziges stupides Gemetzel vorher, alle Beisser schön Aufgereiht vor einem halben Dutzend “Schiessern” ^^

  3. ChrisNM
    4. Dezember 2011 at 12:53 #

    Yo, nettes Ende^^
    Glenn ist ganz schön zäh, lässt sich von Maggie jedes mal wieder verarschen um dann von ihr abgeknutscht zu werden ;)
    Shane, der kleine Möchtegern-Rambo, wird für die Gruppe langsam zum Problem.

    Sarkastische Anmerkung zur Folge:
    Frisch gef…t lässt Andrea Oberwärter Dale endlich im Regen stehen.

    • 4. Dezember 2011 at 14:40 #

      Optimist der ich bin, hoffe ich, es geht mit der gleichen Qualität im Februar weiter.

      “Oberwärter” trifft es ganz gut. Dale ist ein bisschen wie die Rentner die am Fenster stehen und den ganzen Tag die Straße beobachten.

      • funky
        5. Dezember 2011 at 17:13 #

        ja, aber ich hab in jeder szene das bedürfnis ihn zu knuddeln und au fden kopf zu tätscheln. der schaut immer son ungläubig treudoof mit weit aufgerissen augen…zum schiessen :D

    • ChrisNM
      5. Dezember 2011 at 17:24 #

      @funky
      Das konnte er schon immer gut ;) Green Mile:
      http://www.wearysloth.com/Gallery/ActorsD/4412-24647.gif

      Komisch ist das schon, Babys und Kinder sehen Lieb/Nett aus und viele ältere/alte Leute auch ^^

      • 5. Dezember 2011 at 18:00 #

        Wow, ich wusste gar nicht mehr, dass er auch in Green Mile mitgespielt hat. Ein Darabont-Stammschauspieler also.

        Idee für ein TWD-Trinkspiel: Jedesmal wenn Dale die Augen aufreisst, muss ein Shotglas mit Hochprozentigem runtergekippt werden :)

      • funky
        5. Dezember 2011 at 22:45 #

        wtf??? das ist der? ich muss erstmal nachschauen, wann green mile gedreht wurde?! ist das schon so lange her? oder ist der einfach nur so gealtert?
        da will ich ihn gleich umso doller knuddeln ;D

      • funky
        5. Dezember 2011 at 22:46 #

        hehe, und das trinkspiel könnte ähnlich ausgehen wie in How i met your mother, wo jedesmal getrunken werden musste wenn robyn: “ja ähhhm” sagt ;)

      • 5. Dezember 2011 at 23:11 #

        Wobei nichts so schnell in der Alkoholvergiftung endet wie das Lost Season 2 Trinkspiel: Es wird immer getrunken, wenn Michael sagt “He’s my son!” :)

      • ChrisNM
        6. Dezember 2011 at 16:52 #

        @funky
        1999, also vor fast 13 Jahren. Schon wegen der anderen Synchronstimme ist mir das auch nicht gleich aufgefallen, das der liebe Dale einer der Wärter von John Coffey war ;)

  4. ChrisNM
    30. November 2011 at 00:39 #

    “Um Entzugserscheinungen entgegenzuwirken, werde ich in der Staffelpause die Comicserie The Walking Dead besprechen; nächsten Montag fange ich mit der ersten Ausgabe an. Bisher habe ich noch nicht reingeguckt, bin also sehr gespannt, ob die Handlung analog zur Serie verläuft – und wie die Graphic Novels im Vergleich zur TV-Version abschneiden”

    Nein, sie verläuft nicht analog zur Serie. Dort ist man nicht zimperlich mit den Charakteren. Dir wohl bekannte Namen verschwinden früher oder tauchen so nicht auf ^^ Auch in Bezug auf Körpermasse. Lass dich überraschen ;)
    Aber die Serie folgt bis jetzt dem roten Faden des Comics.So, und ich muss mich jetzt bis Freitag 21:55 Uhr gedulden, bis die Folge auf FOX gezeigt wird :)

  5. funky
    29. November 2011 at 20:01 #

    hmm…ok. ist mir bei anderen serien noch nie aufgefallen :)

  6. funky
    29. November 2011 at 18:35 #

    ich unterschreibe das einfach mal so :)

    und ich wusste gar nicht, das es in der staffel eine pause gibt. hat das irgendeinen besonderen grund? ist bei anderen serien ja auch ziemlich unüblich

    • 29. November 2011 at 19:12 #

      Ist in den USA eigentlich die Regel, dass um die Jahreswende 1-2 Monate Pause sind. Bei South Park dauert es fast ein halbes Jahr bis der Rest der Staffel kommt.

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