Filmkritik-Sparring: Wer ist Hanna?

Rechte: Sony Pictures

Hanna Rennt

Unsere “Doppelrezension” zum neuen Thriller von Joe Wright (Abbitte, Der Solist).

Kai:

Die 15-jährige Hanna, von ihrem Vater im Nirgendwo zur Profi-Killerin erzogen, rennt um ihr Leben. Auf ihren Fersen sind neben einer skrupellosen Geheimdienstlerin ein schmieriger Handlanger und zwei Neonazis, die in einem weißen Kleinwagen hinter Hanna hertuckern.

Die eindrucksvollen Bilder sind effektiv mit einer elektronischen Score der Chemical Brothers untermalt. An der Oberfläche funktioniert “Hanna” deshalb auch ganz gut - Visuelles und Musik spielen sehr gut zusammen, besonders in den Actionszenen, die gleichzeitig kunstvoll und energetisch sind.  Die Handlung kann da leider nicht mitghalten;  im Drehbuch klaffen riesige logische Löcher und die Figuren sind reine Abziehbilder – da können auch gute Schauspieler wie Eric Bana und Olivia Williams nichts dran ändern. Am schlimmsten ist aber Cate Blanchett, die als over-the-top Bösewicht(in) hier genau so fehlbesetzt ist wie schon als Russin im letzten Indiana Jones Film.

Ich fand einzelne Szenen und Details an “Hanna” extrem gelungen, vor allem auch dank der tollen Bilder und der Hauptdarstellerin Saoirse Ronan. Aber die Geschichte war dann unterm Strich doch eher frustrierend.

Desirée:

Mir hat vieles gefallen: Die mutige erste halbe Stunde, die so bedächtig erzählt ist wie ein Kunstfilm, der explosive Kontrast, als Hanna
fliehen muss. Und vor allem der zweite Akt, in dem das Mädchen mit der Zivilisation kollidiert und wo sich fast schon slapstickartiger Humor mit emotionalen Momenten und brutaler (wenn auch dezent dargestellter) Gewalt abwechselt. Die bewusst eindimensionalen Charaktere – allen voran die Familie, mit der Hanna ein Stücke des Wegs zurücklegt – sind mir trotzdem ans Herz gewachsen. Und Saiorse Ronans Charakter ist umso besser entwickelt.

Allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Dass der Regisseur all das im letzten Teil über Bord wirft um die faszinierende
Geschichte mit ihrem merkwürdigen Setup irgendwie zu erklären, ist per se schon ärgerlich. Dass die Erklärung dann aber auch noch an den Haaren herbeigezogen ist, dafür gibt es nun wirklich keine Entschuldigung. Völlig unklar ist außerdem,
wie stark Hanna wirklich ist: Mal steckt sie fünf bewaffnete Gegner in die Tasche, mal kommt sie kaum gegen einen der faustschüttelnden Neonazis an.

Für mich wäre es ein besserer Film gewesen, wenn es statt der schlecht konstruierten gar keine Erklärung gegeben hätte. Trotzdem hat mich „Wer ist Hanna?“ zumindest die ersten 80 Minuten wirklich begeistert.

Kai: 3-

Desirée: 2-

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Kategorien: Film, Kino, Rezensionen

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5 Kommentare - “Filmkritik-Sparring: Wer ist Hanna?”

  1. 31. Mai 2011 um 21:20 #

    Joe Wright scheint wohl Saorse Ronan zu mögen :S

    • 1. Juni 2011 um 14:31 #

      Stimmt. Aber zurecht – Ronan ist wirklich das beste am Film.

  2. TL
    31. Mai 2011 um 21:08 #

    Also ich fand den Film unterm Strich gar nicht so schlecht.. Lag vielleicht auch daran, dass ich mit recht geringen Erwartungen in den Film gegangen bin.
    Ich fand das Ende und Auflösung etwas absehbar, und den letzten Showdown in der Tat etwas schwach.
    Cate Blanchett fand ich nicht schlecht in der Rolle, sie macht das schon nicht schlecht, allerdings hab ich bei ihr das Gefühl (ebenso wie beim angesprochenen Indiana Jones), dass sie hinter ihrem Können zurückbleibt und unterfordert ist…

    • 1. Juni 2011 um 20:52 #

      Ich fand ihn auch gar nicht so verkehrt. Aber ich hatte mehr erwartet, vor allem nach dem starken Anfang. Cate Blanchett fand ich auch nicht so schlimm wie Kai, aber ich hoffe trotzdem, dass sie demnächst mal wieder eine Rolle spielt, in der sie ihre Stärken richtig ausspielen kann.

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  1. Wer ist Hanna? (Film) - 10. Mai 2012

    [...] aus der Blogosphäre: Filmherum: 7/10 Punkte PopKulturSchock: 7/10 Punkte Symm’s Blog: 8/10 [...]

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